Wie ich mit einem Anruf eine Personalleiterin zum Schweigen brachte

Je mehr ich mich mit den Themen Personalentwicklung, Stellenausschreibungen, Employer Branding und Personalmanagement auseinandersetze, desto mehr entdecke ich als Querdenker Chancen und neue Perspektiven, um effizienter und zielgerichteter Bewerber zu finden und Mitarbeiter im Unternehmen zu halten. Die passende Kommunikation und Klarheit spielen dazu eine besondere Rolle. Und diese kleine Geschichte, die mir zu denken gibt.

 

Es war einmal vor langer Zeit

Okay, so lange war es auch nicht her. Genauer gesagt, ist es gerade einmal drei Tage her. Da ich mich nach neuen Möglichkeiten im beruflichen Kontext umsehe, habe ich mir wie viele andere Menschen auch, unzählige Stellenausschreibungen angesehen. Nicht nur, dass die eine Stelle einer anderen sehr ähnlich ist, manche Ausschreibungen sind fast ident. Qualifikationen, meine Aufgaben und was dafür geboten wird. Am Ende noch wie viel dafür gezahlt wird und wer die Ansprechperson im Unternehmen ist. Ein Haufen Bulletpoints und Buzzwords. Wobei das Wort Buzzword auch schon ein Buzzword ist. Sorry. Egal. Zurück zur Geschichte.

Nach gefühlten hundert Ausschreibungen blieben meine Augen bei einem interessanten Inserat stehen und ich beschloss, diese Bulletpoints genauer durchzulesen. Die Anforderungen dafür konnte ich soweit erfüllen und auch die Aufgabengebiete schienen mir sehr interessant zu sein. Unter anderem wurden Kundenbetreuung und Neukundengewinnung gefordert.

 

Den Erfahrungsschatz auspacken

Als Selbstständiger konnte ich sehr viel in diesem Bereich lernen und habe deshalb beschlossen, die Bewerbungsschritte dafür wie für meine eigene Kaltakquise umzusetzen. Ich sehe dabei keinen Unterschied, ob ich mich bewerbe, oder Kunden gewinnen will. In beiden Fällen geht es um mich als Person. Ich schrieb ein kurzes Bewerbungsschreiben und schickte eine Mail mit meinem Lebenslauf als Anhang an die betreffende Personalabteilung. Das Motivationsschreiben lies ich weg. Motiviert bin ich ja so oder so genug. In dem Zusammenhang fällt mir gerade ein, dass eine Personalverantwortliche eine Bewerbung nicht annahm, weil ich kein Motivationsschreiben im Mailanhang angefügt habe. Pech gehabt.

Die Mail war fertig geschrieben. Das betreffende Unternehmen hat knapp 800 Mitarbeiter. Als Ansprechperson habe ich mich direkt an die Personalverantwortliche gewandt und angeführt, sie nach zwei Tagen persönlich anzurufen. Aus meiner Selbstständigkeit weiß ich mittlerweile, dass ein Top-Down Ansatz in Unternehmenshierarchien zwar keine Wunder bewirkt, jedoch so manche Anfrage beschleunigen kann.

 

Der Anruf

Ich rief die Nummer an und nach einigen Sekunden meldete sich eine Dame am anderen Ende. Was dann in den nächsten Minuten passierte, war allerdings erstaunlich.

Ich gehe bei meiner Akquise immer sehr ähnlich vor, da ich damit einen großen Erfolg gehabt habe. Nach meinem Namen, ohne Angabe von welchem Unternehmen ich bin, folgt ein Satz – danke an Tim Taxis – mit der Frage, ob ich gleich zum Punkt kommen darf. Da ich keine Scheu mehr habe, Menschen am Telefon anzurufen, habe ich ihr erklärt, wer ich bin und warum ich sie anrufe. Da für diese Stelle Kundenakquise gefordert wird, würde ich nun gerne aus Bewerbersicht eine Bedarfserhebung durchführen.

Nach einigen Sekunden Schweigen, sagte sie mit leiser Stimme: Was wollen sie? Also antwortete ich ihr, dass ich einige Fragen zur eigentlichen Bewerbung, die mir interessant erschien, hätte. Daraufhin meinte Sie, dass ich lediglich einer von hunderten Bewerbern sei und sie erst alle Bewerbungen sichten müssen. Auf meine Nachfrage, ob sonst schon einmal ein Bewerber wie ich angerufen hat, meinte sie, dass ich wohl der erste Bewerber wäre, der aufgrund der geforderten Kompetenzen in der Akquise angerufen hat. Das war es. Das war es. Ich bin einer von vielen hunderten Bewerbern, der einmal kurz die tägliche Routine durchbrochen hat.

 

Die Erkenntnis

Ich frage sie jetzt, lieber Leser, liebe Leserin. Wenn sie Unternehmer sind, Personalverantwortlicher, oder Entscheider. Jemand wie ich schickt ihnen ein Angebot für eine Zusammenarbeit. Eine Anfrage und ruft sie pünktlich an. Zeugt dies nicht für Wertschätzung und Interesse? Im Verkauf meiner Dienstleistungen war dies zumindest bislang so der Fall. Wird der Spieß allerdings umgedreht und ich rufe als Bewerber an, bin ich oftmals nur eine Nummer in der Bewerberkartei und muss mich einem, meist über-bürokratischen Aufwand und Prozess unterziehen, in dem die menschliche Seite nicht sehr stark ausgeprägt ist.

 

Was kann man daraus lernen?

Wenn sie Bewerber suchen und Dinge anführen wie Kundenakquise und jemand ruft sie tatsächlich an und hat echtes Interesse an ihrem Unternehmen, dann wissen sie, dass dieser jemand diese Kompetenzen besitzt, die sie suchen. Diese sichtbaren Kompetenzen sind mit Sicherheit effizienter, als ein geschönter Lebenslauf und ein Bewerbungsgespräch, indem sie nicht sofort erfahren werden, ob diese Person Kunden für sie akquirieren kann. Wir müssen endlich umdenken und Bewerber wie Kunden betrachten. Erste Employer Branding Ansätze sind für mich zwar schon erkennbar, jedoch ist noch viel Basisarbeit von Nöten, um Unternehmen den Spiegel vor die Augen zu halten. Schließlich kann aus einem Bewerber ein Kunde werden und umgekehrt.

 

Stimmen Sie mir zu? Was sind ihre Erfahrungen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.