Warum wir eine moderne Höhle 2.0 brauchen

Bevor ich Ihnen erzähle, was es mit dem Titel dieses Artikels auf sich hat, gehen Sie mit mir kurz auf eine Zeitreise. Im weitesten Sinne gedanklich zurück in die Zukunft. In eine Zeit ohne Google, Wikipedia und andere Nachschlagewerke. In eine Zeit, in der die Sprache gerade erfunden wurde und Höhlenmalereien voll im Trend waren.

 

Im Gestern der Erinnerungen

Wir sitzen in der Höhle. Es ist finster und plötzlich raschelt es draußen. Einer steht auf, geht raus schauen und kommt nicht wieder. Er wurde vom Säbelzahntiger gefressen. Wir anderen blieben zum Glück sitzen und haben uns in der Zwischenzeit über die Mammutjagd ausgetauscht. Über die Sonne und die Jahreszeiten, wann Mammuts am besten zu jagen sind. Wie groß die Mammuts mindestens sein sollten. Über die Beschaffenheit der Pfeile, Fallen und der Spitzen. Wir haben noch wertvolle Tipps von einem alten Höhlenmenschen bekommen, welche Fehler wir vermeiden sollten und wie wir die besten Felle daraus gewinnen. Zudem erzählte uns ein Mitbewohner, wo wir im Berg diese Steine finden würden und wie wir Feuer anheizen sollten, um den flüssigen Stein zu formen.

So viel Wissen ganz ohne Welan und Bücher. Ohne reine Zahlen, Daten und Fakten. Es wusste schlichtweg noch niemand, dass das Mammut mit seinen 4,5 Tonnen am besten mit fünf Bronze-Pfeilen, die mit einer Geschwindigkeit von 50 Km/h und einem Abwurfwinkel von 34 Grad und einer Laufgeschwindigkeit von 20 Km/h zu erlegen ist. Läuft das Mammut allerdings weiter, ist es mit einer Laufgeschwindigkeit von 24 Km/h zu verfolgen und es müssen Fallen in einer Abmessung von … .

Sie merken, auf was ich mit dieser Geschichte des Mammut-Jagens sagen will: Wir merken uns Inhalte leichter, wenn diese in einer Geschichte mit Emotionen verbunden werden und weniger die Zahlen, Daten und Fakten zur Mammut-Jagt. Endorphin, Dopamin, Cortisol und Co. werden dabei ausgeschüttet und narratives Erzählen führt dazu, dass wir anderen leichter folgen können. Wenn es draußen raschelt und wir würden in einer Höhle sitzen, würden wir uns immer an die Story mit dem Säbelzahntiger erinnern.

Auch heute wachsen wir mit Geschichten auf, umgeben uns damit und erzählen Stories über Urlaube, gescheitere Projekte und verflossene Lieben. Wir sehen Helden, meinen Schurken zu entdecken und wünschen uns Mentoren, die uns weiterhelfen. Das können wir seitdem wir die Sprache für uns entdeckt haben. Seit über 30.000 Jahren. Aber nutzen wir dieses Potential auch noch in der Arbeitswelt, im Business?

 

Im Heute der Kommunikation

Im digitalen Zeitalter müssen Sie nicht mehr in der Höhle sitzen, um diese Zeilen zu lesen. Weil heute ja alles anders ist. Wirklich? Alles? Nein, unser Gehirn ist noch dasselbe, wie damals in der Höhle. Ausgestattet mit Kleinhirn, Großhirn und dem ganzen Rest. Nur werden wir heute von Zahlen, Daten und Fakten überschwemmt. Die eine Werbebotschaft löst die andere ab und das Was ist in der Überzahl. Was wir tun, was wir anbieten, was unsere Leistungen sind, was für Quartalszahlen zu erreichen sind, was an Umsatz zu erwirtschaften ist, usw. Ziele sind wichtig. Unternehmen müssen wie der Mensch, als er noch in der Höhle lebte, überleben. Soweit so gut.

Dabei sind allerdings die Fragen nach dem Warum, Wozu und Wie hingegen weniger auf unserem geistigen Radar, weil wir unsere Kommunikation heute oftmals auf das Was beschränken. Als Begründung wird oft Zeitmangel, die Schnelligkeit und die Effizienz genannt, wenn ich mich darüber mit Führungskräften austausche.

Umgekehrt werden heute in Unternehmen der Purpose, die Vision, Mission und Zweckdienlichkeit stark hervorgehoben. Warum? Weil wir einen neuen Antrieb für unser Tun brauchen. Wer kein Überlebensziel mehr hat – die Mammuts sind nun sprichwörtlich in jedem Supermarkt erhältlich – braucht neue Antriebe. Oft müssen diese Themen dann allerdings, nachdem sie oftmals lediglich in der Führungsetage in Workshops erarbeitet wurden, als einzelne Sätze auf Bürowänden ein tristes Leben führen. Manchmal erinnern mich diese Missionen daher ala “wir glauben, wir tun, wir schauen über den Tellerand” schon an moderne, jedoch seelenlose Höhlenmalereien.

Heute müssen wir noch immer Mammuts besiegen, nur heißen diese heute innerer Schweinehund, die Angst vor Veränderung und Status-Quo. Der neue Schurke in unseren Geschichten heißt zudem Digitalisierung oder Fachkräftemangel. Und die 30.000 Jahre Vorsprung in der Kommunikation? Sie sind noch immer da und warten auf ihren Einsatz. Ich nenne diesen Vorsprung schlicht Storytelling.

 

Im Morgen der Wünsche

Morgen suchen wir wieder nach Lösungen in der Kommunikation. Wir suchen nach Lösungen, um Aufmerksamkeit und Vertrauen aufzubauen. Suchen weiterhin Kunden und Mitarbeiter. Bauen wir uns weiterhin digital ein passendes Image auf. Als Einzelperson oder Unternehmen. Auf der anderen Seite steht die subjektiv wahrgenommene reale Identität. Der Mensch hinter der Business Maske in dieser digitalen Welt. Dazwischen sind die 4.0 Welten, die bereits von den 5.0 Universen abgelöst werden. KI wird zum neuen ABC und digitale Trends lösen einander ab.

Bis plötzlich das letzte lebende Mammut vor unserem geistigen Auge vorbeiläuft. Eine neue Nahrungsquelle muss her. Wir sitzen wieder in der Höhle und suchen nach Lösungen. Wir müssen uns wieder verändern. Wir brauchen wieder eine Vision und einen Weg raus aus den alten Mustern. Einer von uns fängt an, seine Ideen in eine Geschichte zu packen. Es geht um eine Erfindung. Er nennt sie Haus. Die anderen hören gespannt zu.

Storytelling wirkt in der Kommunikation seit über 30.000 Jahren. In der Strategieentwicklung, für ein gemeinsames Mindset, in der Führung, Kommunikation bis hin zur Selbstvermarktung. Warum sollten wir daher morgen nicht wieder in einer modernen Höhle 2.0 sitzen, in der wir gemeinsam die Kraft der Geschichten nutzen, um uns weiter zu ent-wickeln? Vielleicht setzen wir uns dafür eine Virtual Reality Brille auf? Wer weiß?

 

* Ihr Dr. Michael Egger

 * * Ich freue mich, wenn Sie mir einen Kommentar hinterlassen und den Artikel teilen, damit ihn auch andere Menschen lesen können.

* * * Mehr dazu erfahren Sie in meinem Vortrag „Kommunikation mit 30.000 Jahren Vorsprung. Über kleine Geschichten, die Großes bewirken“. Informationen, Anfragen und Buchungen unter https://www.erfolgszeiten.at/vortraege/.

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