Fünf Perspektiven zur Bindung & Gewinnung von Menschen

Mitarbeiter sind heute eine heiß begehrte „Ware“. Personalentwickler/innen tun alles dran, sie zu halten und ihnen unzählige zusätzliche Leistungen für mehr Wohlbefinden zukommen zu lassen. Mitarbeiterbindung ist heutzutage mindestens gleichrangig wie Recruiting. Wir reden heute vom Facharbeitermangel, dabei gilt es auch an anderen Stellschrauben zu drehen, denn es ist bereits ein Arbeitskräftemangel geworden.

 

Eine kleine Mangelgeschichte

Dazu vorab eine kleine Geschichte: Als ich Assistent an der Universität tätig war, schrieb ich einen Artikel zum Thema Demografie und Personalmangel in den kommenden Jahren. Bei der Recherche fand ich ein Buch aus den 1980iger Jahren, im dem zum Thema Facharbeitermangel in Österreich eine Prognoserechnung enthalten war, in der davon ausgegangen wurde, dass ab 2010 Facharbeiter fehlen werden. Zum einen dienten dafür Geburtenjahrprognosen und die stetige Steigerung der Qualifikation für diese Aussage. Diese Prognose ist nun fast 40 Jahre alt. Darin enthalten sind Zahlen. Viele Zahlen und Diagramme. Und genau dort steckt schon der erste Fehler im System. Zahlen widerspiegeln keine Menschen. Es sind Zahlen. Der Mensch hingegen, als kleine Nummer in Balken- und Kreisdiagrammen, ist hingegen nicht messbar. Und fehlt heute dennoch mehr den je. Dabei sind es keine Prognosen, die zum Facharbeitermangel geführt haben. Vielmehr sind es interne Komponenten, über die wenige Menschen sprechen und dennoch viele darüber Bescheid wissen, die zu mehr Wohlbefinden und damit mehr Mitarbeiter im Unternehmen führen.

 

1. Unternehmenskultur an der Wand und nicht im Herzen

Viele Unternehmensleitbilder exzitieren, weil Unternehmen beispielsweise zertifiziert sind und ein Leitbild dort als Voraussetzung angeführt sein muss. Eine Unternehmenskultur sollte jedoch nicht so entstehen und verfasst werden. Oftmals kommt es mir allerdings so vor, als ob Außendarstellung und interne Kommunikation nicht Hand in Hand gehen und Unternehmenskulturen an Wänden hängen, um ab und zu abgestaubt zu werden. Hinzu kommen die Führungskultur innerhalb des Unternehmens und der Unternehmenszweck mitsamt seiner gelebten Prinzipien. Warum gibt es eigentlich das Unternehmen? Und weiß dies auch jeder Mitarbeiter? Was warum produziert wird? Für wen gearbeitet wird? Welche Probleme damit gelöst werden?

 

2. Das 20. Jahrhundert lässt grüßen

Mehr Wohlbefinden – für Bewerber und Kunden – zu finden hängt stark mit der internen Kommunikation zusammen. Was bringt ein schönes Außenbild, wenn Bewerber keine Antwort auf ihre Bewerbung erhalten? Da stecken Mühe und Arbeit dahinter, die keine Anerkennung findet. Es gibt heute viele Softwarelösungen, die hierzu erste Möglichkeiten bieten, rasch per Mail eine automatische Antwort zu erstellen. Von einer einfachen Übermittlung von Bewerbungsunterlagen ganz zu Schweigen. Hinzu kommen Onboardingprozesse und andere Verwaltungsaufgaben, die sich seit Jahren nicht verändert haben und dringend einer zeitgemäßen Überarbeitung in vielen Unternehmen zugeführt werden sollten. Die Warum-Frage sollte dabei vor der Was-Frage im Handlungsprozess gestellt werden. Haben Sie Mut zur Veränderung und neuen Ideen.

 

3. Einzigartigkeit – Quo Vadis?

Warum sollte ich mich in ihrem Unternehmen bewerben. Schweigen. Wegen dem guten Gehalt und Gratis-Kaffee? Der spannenden Entwicklungsmöglichkeiten? Stimmen diese überhaupt? Employer Branding ist noch ein Stiefmütterchen in der Unternehmensplanung. Dabei spielt es eine entscheiden Rolle, um sich als Arbeitgeber vom Mitbewerb zu unterscheiden. Was macht ihre Arbeitgebermarke aus? Eine kleine Anregung zur Sichtbarmachung. Eine Arbeitgebermarke sollte intern zu Wohlbefinden führen. Dieses finden sie möglicherweise in den Gesichtern ihrer Kollegen am Montag morgen. Im Lächeln. Teamspirit. Im Zuhören. Auch wenn ihr Chef mal lächelt und lobt versteht sich! Das ist Mitarbeiterbindung.

 

4. Weg von der Perfektion des Lebenslaufes

Ein Lebenslauf ist ein Lebenslauf. Berufliche Stationen, Ausbildungen und vielleicht noch zusätzliche Angaben chronologisch aufgeschlüsselt. Diese sagen allerdings nichts darüber aus, was einen Menschen wirklich ausmacht. Wir sind schon lange im 21. Jahrhundert angekommen und viele Unternehmen arbeiten Bewerber aufgrund von vergangenen Lebensstationen ab. Absagen, Evidenz, Einladung zum Vorstellungsgespräch. 20 Jahre Erfahrung sagen nichts darüber aus, ob auch 20 Jahre alles richtig gemacht wurde. Sicherlich sind Basiswissen und einschlägige Erfahrungen meist von Nöten. Weg vom klassischen Lebenslauf-Scan und hin zu Kompetenzen wäre allerdings ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Niemand ist perfekt. Wirklich wichtig sind der innere Antrieb, Lernbereitschaft und der Wille für das Unternehmen und nicht nur für seinen Lohn zu arbeiten.

 

5. Unternehmen sind mehr als ein Arbeitsumfeld

Unternehmen müssen sich heute selbst um Mitarbeitende bemühen. Mehr noch. Sie werden sich in Zukunft bewerben müssen und nicht umgekehrt! Mitarbeiterbindung setzt zudem beim bestehenden Personal an. Viele Unternehmen handeln jedoch noch so, wie wenn eine Stellenausschreibung schon genügend würde. Jobmessen sind heiß begehrt, um Nachwuchs zu finden. Mitarbeiter werden als Markenbotschafter gefunden. Die Zielgruppe dabei ist meist jung, Generation Y. Meine Firma, meine Marke, mein Arbeitgeber. Ein Weg, den nunmehr viele Firmen einschlagen. Wie authentisch dieser Weg allerdings der Realität standhält, ist fraglich. Suchen sie nach Möglichkeiten, ihr Unternehmen authentisch zu präsentieren. Wohlbefinden nach Außen durch Authentizität zu zeigen und vielleicht weniger gestellte Fotos und Influencer für ein schönes Image zu verwenden.

 

Ein kurzes Fazit

Gehen wir weg von Zahlenspielen und Messbarkeit und kümmern wir uns wieder um den Kern der Sache. Den Menschen mit seinen Bedürfnissen. Anerkennung und Lob. Selbstverwirklichung und Weiterbildung. Um Mitarbeiterbindung. Weil eine gelebte Arbeitgebermarke zu Wohlbefinden und damit zu mehr Mitarbeiter führt. Schließlich kündigen Menschen aufgrund ihrer Führungskraft und nicht aufgrund des Unternehmens. Wohlbefinden führt dazu, dass Mitarbeiter am Abend in der Bar positiv über das Unternehmen sprechen. Damit werden sie zu Markenbotschafter und ziehen damit neue Mitarbeiter an. Manchmal, am Abend an einer Bar, höre ich allerdings ganz andere Geschichten.

 

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