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Der wahre Wert des Storytelling steckt nicht im Lebenslauf

Ich bin ein 38-jahriger Mensch, habe einen „bunten Lebenslauf“, eine Brille, seitdem ich 12 bin und bezeichne mich als humorvoll, bodenständig und klassisch querdenkerisch. Vor einigen Wochen wollte mein kleiner Sohn mit mir plötzlich Fußfall spielen gehen. Er hatte sich nie so recht für diese Sportart bislang interessiert. Also gingen wir und kauften einen Ball. Einen Softball, keinen richtig harten Fußball, da er erst 6 Jahre alt ist. Perfekt für den Anfang.

Wir haben zu Hause glücklicherweise gleich einen Fußballplatz gleich in der Nähe. Mein Sohn, er ist gerade im Fragemodus-Alter, wollte gleich einmal alles wissen. Wenn man so auf den Ball tritt, warum ist der dann so schnell? Warum schießt du so schlecht Papa? Warum habe ich keine richtigen Fußballhandschuhe? Als Elternteil können Sie die letzte Frage nicht ignorieren. Weil diese Art der Fragen wiederkommen.

Also gingen wir Fußballhandschuhe kaufen. Seitdem weiß ich, dass die kleine Handschuhgröße 3,5 ist. Als Top-Fans der örtlichen Bibliothek haben wir danach noch sämtliche nützliche Fußballbücher mitgenommen. Was ist ein Abseits? Wo muss der Tormann stehen? Wieso brauchen Fußballmannschaften einen Trainer? Fragen über Fragen. Und Fußball war nun auch im Fernsehen interessant geworden. Papa, wer spielt hier gegen wen? FC Barcelona gegen Fenerbahçe Istanbul. Wo liegen Madrid und die andere Mannschaft, diese Fene? Das ist in Istanbul. Ich holte den Globus und wir schauten nach. Weißt du Papa, ich halte nämlich immer zu der Mannschaft, die näher an Österreich liegt. Warum? Weil ich es so will.

Am nächsten Tag gingen wir wieder Fußball spielen. Mit seinen neuen echten Fußballhandschuhen. So viel Stolz in einem Gesicht. Jeden Ball, den er an dem Tag gehalten hat, jeden einzelnen dieser Momente, werde ich mein Leben lang nicht vergessen. In einigen Jahren werde ich ihm erzählen, dass ich alter vor dem Schreibtischsitzer die ersten Male jeden Muskel bemerkt habe, nach 45 Minuten laufen in der Sonne. Nachdem er von Mal zu Mal besser beim Ausschießen des Balles und schneller und schneller wurde. Ich bin viel gelaufen. Jeder Schritt, den ich dafür gegangen bin, jede noch so komische Frage, die ich ihm dafür beantwortet habe, war es wert, erlebt zu werden. Jetzt interessiert er sich übrigens für Schach. Gut, dass es You Tube Tutorials gibt. Weil er mir schon erklärt, wie er mir eine Bauernfalle stellen wird.

 

Was Fußball spielen von einem Lebenslauf unterscheidet

Warum erzähle ich Ihnen diese Geschichten? Ganz einfach. Vor einigen Tagen fragte mich mein Sohn, was ich da am Computer schreiben würde. Ich sagte: Meinen Lebenslauf. Was ist ein Lebenslauf, wollte er wissen. Ich erklärte es ihm. Daraufhin meinte er, dass er auch schon viele Dinge gemacht hat. Fußball spielen, Schwimmen, Skifahren und mit seinen Freunden und Spielsachen spielen. Nur wann was war, wusste er nicht mehr. Nicht nur, dass ich lachen musste, mir wurde eines klar: Der wahre Wert am Storytelling liegt darin, dass wir die Summe unserer Geschichten und keiner Fakten sind.

Wir sind das Ergebnis unserer Entscheidungen. Ob ich jetzt mit meinem Sohn rede und ihm Fußball zeige, oder ob ich umgekehrt im Berufsleben anderen Menschen begegne, macht dabei keinerlei Unterschied. Wir entscheiden, ob wir Menschen mit deren Storys wahrnehmen wollen, oder nur deren Lebenslauf betrachten. Ob wir Images oder Identitäten wahrnehmen. Ob wir Bulletpoints oder Geschichten nach Außen transportieren wollen.

Mein kleiner Sohn stellt viele Fragen. Wir Erwachsene stellen hingegen wenige Fragen. Klassifizieren, werten und scannen sozusagen Leben. Seien es Bewerber, Interessenten, Kunden, Mitarbeiter oder einfach nur den Postmann. Wir sehen einen Menschen und fällen ein Urteil. Im Falle eines Lebenslaufes sind dies immerhin Qualifikationen und Kompetenzen. Dabei können Qualifikationen und Kompetenzen erst im Tun erkannt werden. Wer viel Fußball spielt wird besser werden. Was sagt daher ein Lebenslauf aus? Er zeigt Grundtendenzen auf und Entscheidungen, die wir tagtäglich treffen. Dahinter stecken viele Geschichten.

Geschichten, die erzählt werden sollten. Im Marketing, auf Social Media, im Employer Branding, in Präsentationen oder bei der nächsten Weihnachtsfeier? Weil wir alle Helden, Mentoren und Schurken kennen und in uns haben. Mit Emotionen und Gefühlen. Alles Dinge, die Sie erst im Tun erkennen können und nicht in einem Lebenslauf. Ich habe meine Geschichten, die ich später erzählen werde und Sie?

 

Schreiben Sie mir gerne einen Kommentar, ob Ihnen die Story gefallen hat und was Sie davon gedanklich mitnehmen konnten. Falls ich Sie oder Ihre Mitarbeiter dabei unterstützen soll, Ihre Storys für Ihre Zwecke sicht- und nutzbar zu machen schreiben Sie mir einfach. 

 

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