Wenn die Geschichte anklopft. Anonymität und dunkle Flecken

Wir schreiben das Jahr 1848. Irgendwo in der Monarchie hält ein Mann einen Federkiel in der Hand, taucht ihn in ein kleines Tintenfass und schreibt einen Brief. 100 Jahre später hält eine junge Frau einen Kugelschreiber in der Hand und schreibt einen Brief auf ein Stück Papier, das bereits über vorhandene Linien verfügt. Heute, Ende Oktober 2016, sitze ich hier in meinem Arbeitszimmer und schreibe diesen Blog. So können sich die Zeiten ändern. Was unterscheidet mich von den Briefeschreibern der Vergangenheit? Und was hat dies alles mit dunklen Flecken und Anonymität zu tun?

Zunächst einmal ist das spannende an einem Brief, dass er einen Absender und einen Adressaten hat. Und zudem eine Briefmarke mit Stempel. Haptisch ist das Ganze auch noch, da ich einen Brief sprichwörtlich erfühlen kann. Mit diesem Blog sieht es anders aus. Ich kann zwar vorausahnen, wer diese Zeilen lesen könnte, jedoch weiß ich weder die Anzahl der Leser und Leserinnen, noch sonstige Beweggründe, warum sie sich für diese Themen interessieren könnten. Leser und Leserinnen sind für mich sozusagen anonyme Menschen im Internet.

Facebook, ein Ort der Kommunikation

Facebook ist ein digitaler Ort voller Meinungen und ebenfalls anonymer Profile. Menschen, die sich hinter Bildern verstecken und ihre Meinung ungeniert und unzensiert kund tun können. Was früher noch die alten Leserbriefe in der Zeitung waren, sind heute Postings und Kommentaren zu diversen Ereignissen. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob ich als Person anonym bin oder nicht, etwa bei rassistische Äußerungen. Dabei stelle ich mir immer die Frage, ob wir nichts aus der Geschichte gelernt haben? Doch, haben wir. Es nennt sich Anonymität. Dieses scheinbar Anonyme in einer Gruppe von Menschen und die damit verbundenen Emotionen und Gefühle, wie Neid und Missgunst, veranlassen viele Personen, die Grenzen der Meinungsäußerung zu überschreiten. Reflexion oder konstruktive Betrachtungen werden hinten angestellt. Die Kommunikation im Internet und deren Schnelllebigkeit bewirken eine Veränderung von Werten bzw. eine Wiederbesinnung alter Werte. Themen wie Freundschaft, Herkunft und Selbstbestimmtheit kreuzen das Fahrwasser der Digitalisierungswellen und des Datenhighways im Netz.

Die dunklen Flecken für Unternehmen

Für Unternehmen wiederum sind dunkle Flecken, die anonyme Zeit in der Timeline, vor allem während des Nationalsozialismus problematisch. Wie geht man mit dieser Vergangenheit um? Wer bestimmt, wie damit umzugehen ist? Im Oktober schrieb das Handelsblatt einen längeren Artikel über die Vergangenheit von Volkswagen. Manfred Grieger, der Chefhistoriker des Hauses verließ das Unternehmen in beiderseitigem Einvernehmen aufgrund einer kritische Rezension des Historikers über eine Studie zur Geschichte des Audi-Vorgängers Auto Union während der Nazi-Diktatur. Grieger äußerte sich darin über eine mangelnde unvoreingenommene Betrachtungsweise zum damaligen Vorstand und den NS-Machthabern. Der Vorstand sah dies anders.

Wer bestimmt nun die Geschichte eines Unternehmens?

Wie schön soll diese aussehen? Wird nicht eine jede Geschichte zum Teil beschönigt? Wie weit gehören dunkle Flecken in der Vergangenheit aufgearbeitet und dargestellt? Wie wird dies in Zukunft möglich sein, wenn das Internet Anonymität und Meinungsfreiheit garantiert? Und es keine Briefe mehr geben wird, die wir in einem Archiv sammeln können? Kommentare auf Facebook und Mails gehören heute zum Alltag dazu. Das Thema der Digitalisierung wird überall hoch gehalten. Schneller, weiter, zukunftsträchtiger. Und dann? Dann klopft die Geschichte wieder an. Sie ist Lehrmeister und Verdrängungsmechanismus zugleich. „Morgen, ja morgen, fang ich ein neues Leben an. Und wenn nicht morgen, dann übermorgen, oder vielleicht erst irgendwann.“ Dieser Text des Songs Morgen der EAV ist ein gutes Beispiel dafür, dass uns doch irgendwann unser Tun oder eben unser Nicht-Tun einholen wird.

Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, wie Sie aus der Anonymität heraus eine nachhaltige Geschichte mit hellen und dunklen Seiten gestalten und kommunizieren können, berate ich Sie gerne.