Was ist die Vergangenheit heute noch wert?

Kunden kaufen Vertrauen in ihr Unternehmen, in ihre Erfahrungen und zukünftigen Entwicklungen. Doch am Ende einer Verhandlung oder eines Angebotes ist oftmals der Preis ausschlaggebend. Der Markt wird schwieriger und die Konkurrenz wird immer größer.

Junge Start-Up Unternehmen sind im Fokus der Öffentlichkeit. Tradition und Beständigkeit scheinen an Bedeutung zu verlieren. Wo sind daher die Mehrwerte, wie Erfahrungen, kurzum der Unternehmensgeschichte oder der eigenen Biografie? Geschichten, vor allem die eigenen, haben in der globalen Welt zahlreiche Vorteile und damit Mehrwerte, die jedoch erst in der Kommunikation und Marketing zum Zug kommen, wenn ein bestimmtes Werteverhältnis zur Vergangenheit gegeben ist. Einer von vielen Gründen, warum Elemente der Geschichte nicht erkannt werden, ist der Tagesbetrieb.

Wir arbeiten von Woche zu Woche, von Weihnachtsfeier zu Weihnachtsfeier.

Die Vergangenheit wird angesammelt, meist mittels Jubiläen gefeiert, wobei einem rückwärtsgewandten Blick wenig Vertrauen geschenkt wird. Schließlich kann die Zeit nicht zurück gedreht werden. Erfolge von früher sind in der Gegenwart scheinbar nichts mehr wert. Umgekehrt können wir allerdings noch nicht in die Zukunft schauen. Was ist die Geschichte daher noch wert?

Zentrale Mehrwerte sind die eigenen Werte, die gelebte Kultur und die daraus resultierende Identität eines Unternehmens. Die Unternehmenshistorie belegt diese Kernstücke der internen und externen Kommunikation und lässt damit klare Unterschiede zur Konkurrenz erzeugen. Menschen arbeiten mit Menschen zusammen. Und mit wem ich zusammen arbeite, wen ich als Kunden haben möchte, hängt stark mit den genannten zentralen Mehrwerten zusammen. Schließlich sind Werte, die gelebt werden, nicht auf einem Papier entstanden, sondern haben sich im Laufe einer Geschichte entwickelt und verfestigt.

Ein weiterer Mehrwert im Unterschied zur Konkurrenz, die vielleicht erst gestern gegründet wurde, sind Referenzen. Projekte, Kundennamen, Kundenlogos, die mit viel Know How und Erfahrungen im Kundenbeziehungsmanagement erworben wurden. Diese sind fast immer auf jeder Firmenhomepage einsehbar.

Mindestens genauso wichtig sind dazu die Nicht-Referenzen.

Dinge, die Außenstehenden unbekannt sind. Darunter verstehe ich etwa Menschen, die man nicht als Kunden gewinnen konnte. Erfahrungen, aus denen gelernt wurde. Fehler, die gemacht wurden und gescheiterte Projekte, die neben Zeit und Geld auch sprichwörtlich den Verlust von einigen Nerven bedeuteten.

Kommen Kunden zu ihnen, ohne, dass sie diese suchen müssen? Weil man Sie kennt? Ein zentraler Mehrwert der Geschichte ist der Bekanntheitsgrad, der sich erst nach einiger Zeit, je nach Branche und Produkten unterschiedlich, einstellt. Unternehmen in der dritten Generation haben sinngemäß einen Drei-Generationen-Bekanntheitsvorsprung zu Konkurrenz.

Ein vorläufiges Fazit

Wer nicht über seine Geschichten nicht reden will, der stellt sich auf eine Ebene mit neuen No-Name Konkurrenten und konkurriert oft nur mit dem Preis. In einer globalen Welt ist ihre Geschichte daher ein Garant für Vertrauen und Herkunft. Kunden kaufen Emotionen und Geschichten. Mitarbeiter suchen authentische Unternehmen. Elemente der Geschichte sind wertvolle Ressourcen für die Herstellung von Authentizität und die Rolle als regionaler Player.

Für mich ist es immer wieder erstaunlich, wie wenig Wert auf die oftmals eigene Geschichte gelegt wird. Ist sie doch der Unterschied zur Konkurrenz. Aufgeladen mit Wissen und Erfahrungen. Und um nochmals zurück zur eingangs gestellten Frage zu kommen, was den Geschichte wert sei. Arthur Schoppenhauer meinte dazu treffend: „Meistens belehrt erst der Verlust uns über den Wert der Dinge.“