Was ich aus drei Jahren Selbstständigkeit gelernt habe

Der Start

Mitte Jänner 2016 war es soweit. Ich zog meine Jacke an und fuhr in die Stadt zum Gewerbeamt. Nachdem ich eine Nummer, ähnlich wie beim Fleischhändler meines Vertrauens, ziehen musste und nach gefühlten Stunden endlich meine Nummer auf einem kleinen Display im Warteraum angezeigt wurde, war es soweit. Also fast soweit. Eine junge Dame, die aufgrund ihrer langen künstlichen Fingernägel wohl einige Zeit brauchte, um meinen Namen und alle nötigen Inhalte in einige Formulare einzutragen, gab mir schließlich die notwendigen Dokumente und ich durfte ich mich als Selbstständiger outen. Ich war nun offiziell Unternehmensberater. Also stand ich da. Papiere in der Hand und voller Energie, um Kunden zu finden.

 

Die Hoffnung

Mich wird man wohl brauchen. Ich hatte so gute Ideen, gute Ausbildungen und den Mut, Neues zu versuchen. Wollte Vieles anbieten und gemeinsam mit anderen Selbstständigen Projekte vorantreiben. Mein erster Gedanke und Einfall war History Marketing. Das braucht die Welt. Immerhin habe ich auf dem zweiten Bildungsweg Wirtschaftsgeschichte und Betriebswirtschaft studiert. Und jedes Unternehmen feiert Jubiläen. 50 Jahre, 100 Jahre. Und diese Geschichten gehören recherchiert, archiviert und für Kommunikations- und Marketingzwecke aufgearbeitet. Klingt soweit gut. Ich bin Experte. Also schrieb ich ein Buch. Mehr noch. Ich habe History und Content Marketing miteinander zu einer Methode verschmolzen.

Weil Herkunft Zukunft schafft. In der realen und digitalen Welt.

Die Realität holte mich allerdings gleich einmal ein.

 

Erste Wahrheiten

Hallo, mein Name ist … Ich würde gerne … Ach, ist nicht da? Kein Interesse? Ja dann. Rufen Sie später wieder an. Wir haben eine Hausagentur. Hausagentur wurde dann mit der Zeit zu meinem persönlichen Unwort des Jahres. Brauchen wir nicht. Wird zu teuer sein. Nicht im Budget. Da bin ich die falsche Ansprechperson. Bin endlich ein Satz fiel: „Erzählen Sie. Machen wir einen Termin.“ Juhu, einen Termin bekommen. Mit der Marketingleitung. Super. Jetzt läuft es. Reden. Ich erzähle ihr meine Ideen. Sie schreibt mit. Ich denke mir, toll, die Dame ist interessiert. Wenig später eine Mail. Danke, kein Interesse. Wir setzen das Projekt selbst intern um. Ein Jahr später fand ich meine Ideen, die ich ihr erzählt hatte, auch tatsächlich umgesetzt. Erste Lernprozesse setzten ein. Ich fing an Bücher zu lesen. Zum großen Thema “Verkaufen”. Und ich habe immer mehr verstanden, wie ich mich nunmehr „verkaufen“ konnte. Bis wiederum der nächste Widerstand aufkam.

 

Zwei Wege

Ich war ich. Selbst und ständig. Ich kannte viele Unternehmen, Agenturen und so weiter. Ich war ich. Kannte bald viele neue Menschen. Trotzdem war ich nur ein “kleiner Fisch”. Keine GmbH. Was bei kleineren Unternehmen noch möglich war, war bald bei größeren Mittelständischen Unternehmen und Institutionen ein Manko. Ein Einzelkämpfer ist eben keine Agentur, die über entsprechende Referenzen, Liquidität und Netzwerke verfügt.

Dazu ein kleiner Exkurs. Wie jeder Gründer wollte ich einen tollen Namen für mein Tun finden. Am einfachsten wäre es gewesen, sich mit dem Namen “Michael Egger” zu positionieren. Warum dies nicht so einfach war, erfahren Sie in diesem kurzen Vortragsauschnitt.

 

 

Die Akquise für mein Vorhaben war ungeheuer schwierig. Gut, sie könnten sich als Leser oder Leserin jetzt denken, schwierig ist jede Akquise. Natürlich. Nur meine Schwierigkeit lag darin, dass Jubiläen eine sehr lange Vorlaufzeit haben und dafür ein eigenes Budget aufgestellt werden muss. Zudem wollte ich keine klassischen Bücher schreiben, die man sich dann ins Buchregal stellen kann. Ich verkaufe auch keine Lorbeerkränze. Einfallslos und austauschbar. Wobei sie nicht glauben würden, wie gut sich so manche Agentur für die Erstellung dieser Lorbeerkränze bezahlen lässt. Credo: Weil wir das immer schon so gemacht haben. Ich wollte und will Mehrwerte schaffen. Unternehmen gibt es für mich nicht seit 100 Jahren. Unternehmen haben für mich 100 Vorsprung. Es ging mir daher nicht um Marketing, sondern ich sehe Jubiläen als Chance für viele Unternehmenszwecke an. Employer Branding, Content Marketing Inhalte, Interviews, alte Kunden wieder ins Boot zu holen, eine Standortbestimmung durchzuführen, im Sinne der Unternehmensentwicklung einen Start für neue innovative Geschäftsfelder vorzubereiten und so weiter. Daher war ich mit meinen Anliegen mal bei einer Marketingleitung und dann wieder bei der Geschäftsführung.

Ich erkannte, dass eine operative Umsetzung so nicht sinnhaft war. Hohe Kosten und mehrere Projektpartner bedeuteten mehr Umsatz, mehr Steuern und wenig für mich. Daher beschloss ich mein Know How zu verkaufen. Zudem lernte ich, dass sehr viele Entscheider immer zuerst an sich denken, dann kommt lange nichts, bis ich kam. So war zumindest mein Gefühl. Wie es der Zufall so wollte, als ich wieder einmal ans Aufhören gedacht habe, sagte ein Unternehmer zu mir folgenden Satz: „Mein Unternehmen ist erst sechs Jahre alt. Ich habe daher ja keine Geschichten zu erzählen.“ Dies machte mich gleich stutzig. Nichts zu erzählen? Ein Vorwand?

 

Die Wende

Wieder einmal war mein Selbstantrieb geweckt worden. Wie können Geschichten erzählt werden? Was gibt es dazu noch an Methoden, Schritten, Vertretern, Autoren, usw.? Ich kaufte mir wieder Bücher, höre Podcasts, las Artikel und Blogbeiträge. Diesmal zum Thema Storytelling. Weil jeder eine Geschichte zu erzählen hat. Als Autor des Buches „Der kleine Oral History Ratgeber“ und hunderten geführten Interviews konnte ich auf ein gutes Fundament an Wissen zurückgreifen und Methoden und Richtungen kombinieren. Geschichten waren mir somit alles andere als fremd. Meine Neugier eröffnete mir eine neue Welt und Möglichkeiten. Also setzte ich einen nächsten Schritt. Storytelling Trainings für Führungskräfte, Start-Ups und Menschen, die ihre Inhalte besser präsentieren wollten, folgten. Als Kommunikationstrainer war ich sowieso bereits tätig.

 

Neue Abenteuer

Offene Seminare. Gute Idee, allerdings ging es nunmehr um mich, Dr. Michael Egger, als Experte für Storytelling. Was ist überhaupt Storytelling? Warum sollten wir das brauchen? Brauchen wir nicht. Kennen wir nicht. Storytelling für die Gewinnung von Kunden und Mitarbeitern? Storytelling im Coaching? Warum? Wozu? Kann man das messen? Unsere Jahresplanung für Seminare und Vorträge ist bereits abgeschossen, hört ich oftmals. Das machen wir mit einem anderen Anbieter. Erst wenn wir eine interne Nachfrage bekommen, melden wir uns bei ihnen. Da stand ich wieder einmal. Jetzt kaufte ich mir wieder Bücher. Über Positionierung, Coaching, Content Marketing und Speaking. Wieder lernen. Dinge ändern. Change, wie es auf Neudeutsch heißt. Ich fing an einen Blog zu schreiben. Artikel über Themen, von denen ich meinte, dass sie andere Menschen weiterbringen und zum Nachdenken anregen. So wie diesen Beitrag, den sie gerade lesen. Offene Storytelling-Seminare für Präsentation, Führung und Verkauf gibt im Übrigen im Februar und April in Graz wieder und sind natürlich auf Anfrage Inhouse jederzeit möglich.

 

Unbekanntes Terrain

Was passierte dann? Ich war noch immer ein motivierter Berater, Trainer und Redner. Voller Wissen und Know How. Aber niemand kannte mich. Ein unbekanntes Genie? Nein. Es fehlten entscheidende Inhalte, wie Fotos, Videos und andere Touchpoints, um als Experte anerkannt zu werden und um sichtbarer zu werden (daran arbeite ich noch heute und muss noch viel dazu investieren).

Die beste Idee, das beste Produkt oder die beste Dienstleistung sind nichts wert, wenn sie nicht verkaufbar sind.

Jeden Tag habe ich versucht, von anderen, die dort waren, wo ich hinwollte, mir deren Taktiken und Strategien anzueignen. Bis ich eines Tages bemerkte, dass ich nicht mehr er selbst war. Social Media und das digitale Image schlugen unweigerlich zu und mein Selbstwert wuchs und sank mit Likes. Dabei verkauft ein Like nicht. Es war vielmehr das Gefühl nach Anerkennung. Eines Tages erkannte ich, dass Verkauf nur in der realen Welt wirklich Bestand hatte.

 

Erkenntnisse

Das gute alte Telefon war und ist meist effektiver, um Kunden zu erreichen, als Mails und Content über Content in die digitale Welt zu senden. Ich fand langsam meinen Weg, Menschen und Kunden für mich, meine Ideen und Angebote zu gewinnen. Verkaufte erste Seminare und durfte den einen oder andere Vortrag halten. Allerdings wollte die Karriere nichts so wie ich es wollte. Gedanklich schon dort, wo manch andere Jahrzehnte dafür brauchten, musste ich schnell lernen, mich auf mein Bauchgefühl und andere Menschen zu verlassen. Es gab dabei immer wieder den einen oder anderen Rückschlag. Noch im Glauben an den guten alten Handschlag wurde schnell klar, dass Geld über so manchen vorgelebten Werten lag und Dampfplauderer nur reden können, aber keine Entscheidung treffen. Und eines wurde mir noch viel bewusster. Enorm viele Verantwortliche (in Österreich) entscheiden nach Ausbildungen und nicht in Kompetenzen und nehmen einen nur dann ernst, wenn man “aus dem gleichen Stall kommt”. Impulse und Innovationen kommen jedoch oftmals von Außen und entstehen selten durch ein “Facelifting”.

 

Kurvenflüge

Die lineare Erfolgskurve nach “Oben”, wo auch immer dieses “Oben” liegt, war noch immer nicht in Sicht. Mehr noch, die Kurve ging abwärts. Schließlich ist man nicht alleine am Markt. Und ich entdeckte ein weiteres Herzensthema: Employer Branding oder genauer gelebte Arbeitgebermarken. Eine gelebte Arbeitgebermarke spiegelt für mich ein Unternehmen oder eine Institution wider, die die Werte und Leitbilder im Außen und Innen so lebt, dass ein authentisches Gesamtbild, eben eine Marke entsteht. Reines Employer Branding versucht im Vergleich dazu ein Image nach Außen als attraktiver Arbeitgeber aufzubauen. Plattformen wie kununu können diese Images schnell wieder zurück in die eigentliche Realität holen. Da ich bereits in der Personalberatung und Organisationsentwicklung tätig war, konnte ich wiederum aus meinen bisherigen Erfahrungen Dienstleistungen für Kunden generieren. So schloss sich damit mein Themenkreis. Dachte ich zumindest.

 

Der Mentor

Weiter in der Geschichte. Viele Billiganbieter am Markt drücken die Preise für Seminare und nur, weil ich gerne vor Menschen rede, heißt dies noch lange nicht, auch als Speaker gebucht zu werden. Redner sein zu wollen und tatsächlich ein Redner zu sein, sind zwei völlig verschiedene paar Schuhe. Zudem mussten Themen gefunden werden, die für Zuschauer und Zuschauerinnen Mehrwerte und wichtige Impulse beinhalten. Dabei half mir ein Mensch enorm. Ein Top-Speaker, der nicht nur dort war, wo ich hinwollte, sondern mir wichtige Tipps gab und Wege aufzeigte, wie es gehen könnte. Und ich lerne wieder einmal eine Menge neues Dinge. Über Vortragstiteln, Inhalte und ein wenig über die Speaker-Welt. Und wie viel ich noch zu lernen hatte.

 

Die Themenreise

Meine Vortragsthemen fand ich rasch, weil ich dafür brenne und viele Dinge auch lebe, die ich sage. Storytelling, die Kunst mit kleinen Geschichten Großes zu bewirken. Weil 30.000 Jahre Vorsprung mehr Erfolg in Präsentationen, Führung und Verkauf bedeuten. Indirekt hängt damit auch mein zweites Thema der bereits erwähnten, wie ich sie liebevoll nenne, gelebten Arbeitswelten zusammen. In vielen verantwortungsvollen Positionen konnte ich die vergeudeten Chancen und Status-Quo-Ausreden mit ansehen, warum es nicht gelingt, Mitarbeiter zu erreichen und zu binden, und woran interne Kommunikation scheitern kann. Heute wirkt ich diesen Umständen nunmehr mit der Kraft des Storytellings und der Sicht- und Nutzbarmachung von gelebten Arbeitgebermarken entgegen. Ich spreche darüber, wie eine gelebte Arbeitgebermarke entstehen kann und damit zu mehr Wohlbefinden und mehr Umsatz führt. Wie wichtig es in Zeiten der Digitalisierung ist, sich wieder auf den Menschen im Unternehmen zu konzentrieren und darum es besser ist, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu binden, als ständig neue Bewerber und Bewerberinnen zu suchen.

 

Dinge führen zueinander

Und ein dritter Schwerpunkt, welcher aufgrund meiner bunten Biografie sehr gut zu mir passt, kam hinzu: Der digitale Wahn-Sinn. Wieder eine Eigen-Wort-Kreation. Sorry, da kommt immer der Querdenker in mir durch. Es geht darin Veränderung. Die digitale Transformation, die unweigerlich fortschreiten. Um die Verbindung der realen und digitalen Welt. Als promovierter Wirtschaftshistoriker kenne ich unzählige Change-Prozesse aus der Vergangenheit in Unternehmen und wie sich Menschen an Veränderungen angepasst haben und auf der anderen Seite bin ich als Certified Digital Consultant mit Themen wie Augmented Reality, Chatbots, Industrie 4.0, Arbeitswelten 4.0, künstliche Intelligenz usw. vertraut. Warum also die Vergangenheit mit ihren Fehlern und Chancen mit der Zukunft verbinden und damit neue Perspektiven einnehmen? Haben Sie beispielsweise gewusst, dass Thomas Edison tausende Wege kannte, wie man keine Glühbirne erzeugt? Zudem habe ich mich selbst bereits oftmals verändert. Ich weiß daher, über was ich spreche. Geschichten, Veränderung und Entwicklung. Soweit einmal gute Voraussetzungen.

 

Im Jetzt

Es hat sich vieles getan. Meine Kernthemen sind Kommunikation und Verkauf. Als Unternehmensberater konnte ich Strategie- und Geschäftsmodelle mit entwickeln, Business Storytelling und Unternehmensentwicklung in Projekten verbinden, Arbeitgebermarken sichtbarer machen, Führungskräfte coachen, Content Marketing und Inhalte strategisch konzipieren, Wissen sichern und vieles mehr. Als Trainer konnte ich Workshops zu Storytelling für Präsentationen, Marketing und Verkauf in Unternehmen und Vorträge vor interessierten Menschen mit Begeisterung und Humor auf den kleinen Bühnen dieser Welt halten. Es hat sich einiges getan.

Aufbruch in neue Welten

Drei Jahre nach dem ich mein Abenteuer begonnen habe, stehe ich genau genommen wieder vor einer Stufe. Jetzt könnte geglaubt werden, dass ich mich daran gewöhnt habe, Hindernisse und neue Veränderungen aus dem Weg zu räumen. Dem ist nicht so. Ich stehe genau genommen wieder am Anfang. Ein nunmehr einigermaßen bekannter Berater, wenig bekannter Trainer und Speaker auf dem Weg, seine Mission, das Warum vor das Was zu stellen, fortzusetzen. Weil wer sein Warum kennt, schafft ein jedes Wie. Dachte ich zumindest. Bis wieder ein Hindernis kommt. Jeder Schritt bringt mich weiter. Würde ich alles wieder so tun? Ja. Weil niemand genau weiß, was morgen alles passiert. Wer sich melden? Was für Angebote kommen? Welche Lösungen gesucht werden? Vielleicht habe ich ja gerade ihr Interesse geweckt?

 

Wann erzählen wir Ihre Story für klare Präsentationen, mehr Aufmerksamkeit und einen effektiveren Verkauf Ihrer Dienstleistungen, Marken und Produkte? Zur Gewinnung von Bewerbern und Mitarbeitern? Für gelungene Change-Prozesse? Schreiben Sie mir an office@erfolgszeiten.at und lassen Sie es uns herausfinden. Ich bin gerne im gesamten DACH-Raum für Sie im Einsatz. Nehmen Sie gleich Kontakt auf.

 

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