Starke Arbeitgebermarken haben starke Unternehmensgeschichten

Warum suchen Unternehmen nach geeigneten Mitarbeitern? Die Gründe sind vielfällig geworden. Noch vor 20 Jahren mussten sich Unternehmen nicht be-werben. Es gab genügend Fachpersonal. Branchenübergreifend. Die stetige Verfeinerung der Aufgabengebiete und Ausbildungen in Kombination mit dem demografischen Wandel bedingen jedoch schon seit langem ein Umdenken. Je spezialisierter und umfangreicher das Einsatzgebiet von Mitarbeitern ist, desto dünner wird das Personalangebot auf dem Markt. Bereits in den 1980iger Jahre kam der Begriff des „Facharbeitermangels“ auf, ohne jedoch anfangs genügend gehört zu werden.

Heute überbieten sich zahlreiche Unternehmen, um den passenden Mitarbeiter zu bekommen. Mehr Gehalt, mehr Freiheiten, mehr Weiterbildungsmöglichkeiten, mehr Spaß beim Arbeiten, mehr Selbständigkeit, mehr von allem. Und dann? Eine Arbeitergebermarke wurde erschaffen. Kommen deshalb die passenden Mitarbeiter? Nein, wohl kaum. Außer diejenigen, die mehr Wert auf ein passendes Gehalt legen. Bis ein anderes Unternehmen kommt, dass noch mehr Gehalt und mehr von allem bietet. Warum gibt es daher Mitarbeiter, die trotz vieler Versuchungen nicht ihren Arbeitgeber wechseln?

Employer Branding, die Arbeitgebermarke, ist eine Unternehmensstrategie, die breit angelegt kommuniziert und langfristig wirken muss. Und dies in zwei Richtungen: Zum einen müssen sich Unternehmen um neue Mitarbeiter bemühen und zum anderen müssen eigene Mitarbeiter im Unternehmen gehalten und gebunden werden.

Ich und die Anderen

Sehr häufig wird versucht, mit Hilfe einer Arbeitgebermarke eine Abgrenzung zur Konkurrenz zu erzeugen. Der damit einhergehende Vergleich zu anderen Unternehmen muss jedoch nicht zwangsläufig erfolgen, da der Blick auf die „anderen“ oftmals die Wahrnehmung auf eigene Stärken einschränkt. Die Arbeitgebermarke sollte als ein Teil der Unternehmensgeschichte verstanden werden.

Unsere Geschichte

Als dynamischer ganzheitlicher Prozess, der im gesamten Unternehmen wirkt. Die Frage der Anziehungskraft für neue Mitarbeiter stellt sich damit nur mehr rudimentär, da das Unternehmen mittels seiner Historie eine eigenständige Marke darstellt. Ein Unternehmen mit einer starken sichtbargemachten Geschichte als Trägermedium wird somit gleichermaßen zu einem Unternehmen mit einer starken Arbeitgebermarke. Zweifelsohne müssen neue Mitarbeiter erreicht werden. Auf unterschiedlichen zielgruppenorientieren Kanälen und mit passenden Formaten on- und offline. Von Messeauftritten bis bin zu speziellen Arbeitszeitmodellen. Dies kann gelingen, wenn alle Abteilungen die eigene Unternehmensvergangenheit vergegenwärtigen und intern und extern kommunizieren.

Die Unternehmensgeschichte und Employer Branding Maßnahmen haben eine entscheidende Gemeinsamkeit. Sie werden meist stiefmütterlich behandelt. Ein paar Bullet-Points und wenige Aufzählungen symbolisieren häufig mehrere Jahrzehnte einer Erfolgsgeschichte. Zusammen mit lausigen Stellenausschreibungen dürfen sich betroffene Firmen nicht wundern, wenn man nicht bei Ihnen tätig werden will. Eine Fluktuation, das Kommen und Gehen von Angestellten, tut danach ihr übriges, um mögliche Kandidaten vorzeitig zu vergraulen. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich nur für einige Zeit ungeniert.

„Über uns“ versus „Komm zu uns“

Die Unternehmensgeschichte , oder gerne „Über uns“ genannt, ist einer der ersten Anlaufpunkte von möglichen Bewerbern, wenn Sie Webseiten nach neuen Arbeitgebern durchforsten. Kandidaten können damit schnell erkennen, ob es Unterschiede in den einzelnen Darstellungsformen – Stellenanzeigen versus „Über uns“ – gibt.

Unternehmen, die die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter ernst nehmen und ihnen einen situationsflexiblen Sinn ihrer Tätigkeiten vermitteln können, haben meist eine umfangreiche Unternehmensgeschichte inne. Diese muss nicht zwangsläufig mehrere Jahrzehnte lang sein, sondern es geht dabei um die Sichtbarmachung des Erreichten für alle Stakeholder. Um Stolz, Prestige, Werte und – das wichtigste – nicht um Perfektion, sondern Authentizität zu zeigen.

Um sich einen finanziellen größeren Aufwand einer Gestaltung einer Arbeitgebermarke für die Neugewinnung von Mitarbeitern und deren Bindung zu ersparen, empfehle ich folgende Punkte zu beachten:

  • Mitarbeiter sind Zeitzeugen des Unternehmens

Alle Mitarbeiter sind Zeitzeugen. Diese Kernaussage beinhaltet einen wesentlich wichtigen Zugang zur Unternehmens-DNA. Wenn alle Teil von einem großen Ganzen sind, trägt jeder zum Wohlbefinden und zum Fortschritt bei. Damit ist jeder Teil einer großen Geschichte und kein einzelnes Rad in einem unüberschaubaren Getriebe.

Jeder einzelne Mitarbeiter kann sich zwar individuell entfalten, ohne aber das Unternehmen selbst aus den Augen zu verlieren. Stolz auf die eigene Arbeit und das Unternehmen zu sein, für welches man tätig ist, geht damit Hand in Hand. Die beste Werbung ist zudem Mundpropaganda. Erfolg zieht Erfolg an. Mitarbeiter, die sich mit ihrem Unternehmen identifizieren, empfehlen es gerne – und das gratis – anderen Personen weiter. Eine bessere Werbung gibt es nicht.

  • Achten Sie auf die Unternehmensmarke

Jede starke Marke hat eine starke Geschichte. Ein Unternehmen, das einen Namen hat, muss diesen auch halten. In unserer schnelllebigen Zeit kann es schnell passieren, dass beispielweise Generationenwechsel bei Mitarbeitern und Kunden übersehen werden, oder sich ein Stillstand einschleicht. Eine Marke muss gepflegt werden. Und ab und zu gedüngt werden.

  • Ein gutes Image ist die halbe Miete

Warum arbeiten Menschen gerne bei bestimmten Unternehmen? Weil diese ein gutes Image innerhalb und außerhalb der Mitarbeiterschaft besitzen. Stimmungsbilder und Meinungen über ein Unternehmen können sich rasch ändern. Die eigene Geschichte kann diesbezüglich als ein Anker und Bezugspunkt gesehen werden, um ein Image zum einen aufbauen zu können und es zum anderen strategisch beizubehalten. Der VW Konzern wäre dabei ein aktuelles Beispiel für eine Rückbesinnung zu alten Wurzeln und bewährten Images.

  • Vergessen sie ihre Werte nicht

Unternehmenswerte, die gelebt werden, beruhen meist auf den Wurzeln der Unternehmensgeschichte. Wer auf Werte baut, baut auf seine Mitarbeiter und er findet damit zudem noch die passenden Mitarbeiter. Das Matching, der Vergleich zwischen einem Anforderungsprofil und möglichen Kandidaten, sollte die Werte eines Unternehmens nicht vergessen. Passen die Werte nicht zusammen, hilft auch der beste Employer Brand wenig.

  • Planung, Planung, Planung

Eine Unternehmenshistorie sollte, wie eine Employer Brand Maßnahme, strategisch geplant werden. Dabei spielt das Alter eines Unternehmens nicht die zentrale Rolle. Vielmehr sollten die Unternehmensgeschichte, Unternehmensziele und Employer Branding Prozesse synchron und abgestimmt über alle Abteilungen vorbereitet werden. Die beste Werbeidee für die Gewinnung neuer Mitarbeiter ist nicht zielführend, wenn Kandidaten nicht einen ganzheitlichen Eindruck über die Historie eines Unternehmens vorfinden. Wer sind wir und warum sind wir als Firma hier, sind Teile der Unternehmensphilosophie. Wer diese verinnerlicht hat, stellt sich weniger die Warum-Frage. Und wer sich diese wiederum weniger stellt, wechselt weniger seinen Arbeitgeber.

  • Gute Führung ist die zweite halbe Miete

Keine Angst. Jetzt folgt keine Führungsansprache. Kein: Man sollte dieses oder jenes beachten. Wichtig ist es, sich montags nicht zu fragen, wie lange es noch dauern wird, bis wieder Freitag ist. Im Sinne einer Arbeitgebermarke sollten Mitarbeiter in ihrem Tun eine Selbstverwirklichung – zugestanden in einem bestimmten Rahmen – erfahren. Die Marke sollte ein Grant dafür sein, dass es eine Freude ist, für das Unternehmen tätig sein zu dürfen. Die Führung muss diesen Spirit, beziehungsweise im Idealfall die Berufung von Mitarbeitern und ihrer Tätigkeiten zulassen und sie fördern. Fordern kommt von Selbst. Mitarbeiter, die gerne und mit Freude arbeiten, fordern sich, je nach Zielen, meistens selbst.

Die Arbeitgebermarke ist Teil der Unternehmensgeschichte. Wer von Beginn an auf seine Geschichte setzt und diese kontinuierlich pflegt, erspart sich viel Geld und Mühen.