Etikette, Mit Werten im Business überzeugen

Der erste Eindruck zählt. Ein sehr alter Spruch und ein noch viel älteres Thema. Der erste Eindruck setzt sich aus einer Vielzahl an Faktoren zusammen. Der Stimme, dem ersten Satz des Gespräches und vielem mehr. Speziell in der Geschäftswelt hat sich dabei ein Thema etabliert, welches seit hunderten Jahren gängig war und heute wieder immer mehr an Substanz gewinnt: Die Etikette. Das Auftreten nach außen verbindet zwei wichtige Komponenten einer Business Story. Zum einen klar definierte Werte und zum anderen die persönliche Geschichte. Um mehr darüber zu erfahren, habe ich mich mit dem in Wien ansässigen Experten Thomas Bernhard Schrempf unterhalten.

Lieber Thomas, lass uns gleich einmal mit einer provokanten Frage einsteigen: Ist Höflichkeit ein Muss?

Höflichkeit ist unabdingbar.

Warum?

Die Höflichkeit ist eine Tugend, und die Folge daraus ist die rücksichtsvolle Verhaltensweise, die den Respekt vor dem Gegenüber zum Ausdruck bringt. Das Gegenteil von Höflichkeit ist Grobheit. Ich finde in diesem Zusammenhang der Zugang von Arthur Schopenhauer sehr treffend, der meint, dass Höflichkeit ein normales sprachliches oder nichtsprachliches Verhalten ist und im Grunde genommen unsere Vorzüge indirekt zum Vorschein bringen will.

Wir sitzen ja hier in Wien in einem Traditionscafe, wo die Etikette seit hunderten Jahren bewahrt wird. Stichwort Kleidung des Herrn Ober. Macht die Kleidung heute noch Leute?

Definitiv. Ich darf an dieser Stelle Karl Lagerfeld zitieren: „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Ich erlaube mir dem hinzufügen: er verliert nicht nur die Kontrolle über sein Leben, sondern auch über sich selbst. Kleider machen Leute, so war es, so ist es und so wird es immer sein. Durch Kleidung erweckt man erste Eindrücke, die erste Wahrnehmung des Vis-a-Vis. Dieser Eindruck lässt viel Interpretation öffen, ist meist bleibend und kann nur schwer korrigiert werden. Kleidung ist auch ein Zeichen des Standes, des Berufes etc. Da stellt sich die Frage: Welches Bild will ich nach außen tragen, welches Bild soll mein Vis-a-Vis von mir bekommen und behalten.

Ein bestimmtes Benehmen ist wichtig. Der Umgang miteinander. Jetzt gibt es Trainer für die Stimme. Für die Körpersprache. Wie kommst du zu diesem Thema und was macht dich zum Experten?

Dieses Thema begleitet mich seit meiner Kindheit. Von Kindesbeinen an durch meine Erziehung, natürlich durch mein Elternhaus. Seit mehr als 17 Jahren bin ich im Vertrieb, seit fast 9 Jahren als Unternehmer und als Unternehmensberater international tätig und leite ein Private Office. Vor allem aber im Umgang und in der engen Zusammenarbeit mit Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Diplomatie habe ich in den letzten Jahren, quer durch verschiedene Branchen und Nationen, einen umfangreichen Schatz an Erfahrungen sammeln können. Diese Erfahrungen werden gelebt und gerne weitergegeben. Außerdem bilde ich mich auch auf diesem Sektor ständig weiter.

Was verstehst du dann unter Business Etikette?

Business Etikette ist ein Reglement in der Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden, Vertrieb und Kunden, Kundenbetreuung etc. Es ist auch eine aufrechte Kommunikation zwischen Mitarbeitern und den Vorgesetzten und umgekehrt. Überall dort wo Kommunikation passiert, ist Etikette gefragt.

Das ist jetzt spannend für mich. Business Etikette ist eine Form der Kommunikation auf mehreren Ebenen. Beim Wort Etikette denke ich zuerst an die Kleidung, ein bestimmtes Auftreten. Wenn ich mittels Kleidung versuche zu kommunizieren, einen guten Eindruck bei meinem Gegenüber zu machen, sollte ich zu mir selbst stehen und lieber einmal overdressed als underdressed sein?

Es gibt gewisse Kleidervorschriften die unabdingbar einzuhalten sind und zu denen ich jedenfalls rate, vor allem ist aber Authentizität gefragt. Es soll weder gekünstelt noch aufgesetzt wirken, sondern einfach natürlich und echt.

Zurück zur Kommunikation. Beginnt Business Etikette eigentlich bereits bei Bitte und Danke?

Bitte und Danke ist eine Frage der Erziehung, nicht der Etikette. Erziehung ist wiederum ein anderes Thema.

Ist Business Etikette somit eine gewissen Grundeinstellung in der Kommunikation?

Hier gilt Paul Watzlawick´s Grundregel: Man kann nicht nicht kommunizieren. Etikette, eigentlich französisch étiquette, bedeutet so viel wie „Zettel mit Hinweisen“, entwickelte sich im Hinblick auf das Hofzeremoniell, aus den höfischen Regeln und dem Verhalten bei Hofe. Wobei sich hier wieder das Wort „höfisch“ sich zur Höflichkeit formt. Betrachtet man die Etymologie, also die „Wahrheit des Wortes“, in Verbindung mit geschichtlich, gewachsenem Zusammenhang wird schnell, so meine ich, die Wichtigkeit, ja die Bedeutung klarer und sichtbar. Es handelt sich nicht nur um eine Art Grundeinstellung in der Kommunikation, sondern eine Grundeinstellung zum Leben und zum wertschätzenden und achtvollen Umgang mit- und untereinander.

Wo würdest du dann sagen, dass es No-Goes gibt? Aus der Praxis?

Ein absolutes No-Go habe ich dieser Tage in einem 5 Sterne- Haus in Wien erlebt bzw. beobachtet. Ein Mitarbeiter der Geschäftsleiter war mit einer Dame zum Lunch verabredet, vielleicht war es ein Bewerbungsgespräch, vielleicht war es eine Vertreterin irgendeiner Handelsfirma, vielleicht war es aber auch ein Rendezvous. Egal. Dieser fein gekleidete Herr brachte die Dame zum Tisch in der Lounge. Während sie noch ihre Garderobe ablegte, nahm er schon Platz und wartete ungeduldig bis sie endlich fertig ist. Anstatt auf sie höflich zu warten und ihr den Stuhl anzubieten. Der Dame sichtlich war es sichtlich unangenehm. Egal in welchem Verhältnis die beiden standen: so etwas ist ein absolutes No-Go. um nur ein kleines Beispiel zu nennen.

So und jetzt am Ende eine wichtige Frage. Kann jeder Business Etikette erlernen?

Ich würde es nicht auf Business Etikette beschränken. Gutes Benehmen ist auf jedenfalls erlernbar, ja.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Thomas Bernhard Schrempf ist Unternehmer, CEO von Schrempf Friedberg & Cie und Experte für Business Etikette. http://schrempf-friedberg.com/

Das Gespräch führte Dr. Michael Egger, Experte für Business Storytelling und die nachhaltige Kommunikation von Unternehmensgeschichten, Autor und Redner.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*