Zanklstraße 67, 8051 Graz, Austria
+43 6502288742
office@erfolgszeiten.at

Bestimmen wir unser Leben wirklich selbst?

Als ich vor einigen Jahren in Hamburg war, hatte ich ein Aha-Erlebnis. Einen Moment, der mir mich zum Nachdenken brachte und mich gleichzeitig vieles besser verstehen ließ. Ich beschäftigte mich zu damaligen Zeitpunkt mit Biografien. Während einer Unterredung meinte ich schließlich, dass ich selbst keine Biografie hätte. Eine Wissenschaftlerin aus einer anderen Disziplin sagte mir darauf, dass dies nicht stimmen kann. Jeder hat eine Biografie. Sie verstand darunter etwas völlig anderes wie ich. Mein Zugang war pragmatisch. Eine Biografie ist ein Buch, in dem eine Lebensgeschichte recherchiert und erstellt wurde. Sie fokussierte mehr auf das Leben an sich, welche beschrieben werden kann. Biografie kommt aus dem Griechischen und meint nichts anderes als Leben zu beschreiben. Stellt sich die Frage, ob wir unser Leben auch selbst bestimmen können?

Diese Frage ist wohl so alt, wie die Menschheit selbst. Und trotzdem so aktuell. Das Warum, der Sinne unseres Handelns wird in der Kommunikation, im Marketing bis hin zu Führungsmethoden stark in den Mittelpunkt gerückt. Weil wir selbst bestimmt leben wollen.

Bourdieu und die biografische Illusion

Pierre Bordieu, ein französischer Soziologe, hat um die Jahrtausendwende einen Aufsatz mit dem Titel „Die biografische Illusion“ veröffentlicht. Darin vergleicht er das Leben in biografischen Texten mit einem U-Bahnnetz. Das Netz dient als Matrix für Lebensumstände, aus denen heraus das Leben erklärt wird. Versinnbildlicht ist das Leben nicht linear zu verstehen, sondern besteht aus einer Abfolge von Ereignissen, die nicht immer unmittelbar beeinflussbar sind. Das Leben an sich ist eine Geschichte und diese Lebensgeschichte ist die Erzählung dieser Geschichte. Schreiben wir daher wirklich unsere eigene Geschichte? Es gibt dazu unzählige Sprüche, Mythen und Weisheiten. Sie sind nur so erfolgreich, wie die fünf Menschen mit denen sie sich umgeben. Ein Team ist nur so stark, wie sein schwächstes Mitglied. Erfolg hat nur drei Buchstaben: Tun. Reicht also einfach nur tun?

Selbst und bestimmt sind nicht immer ausreichend

Ich habe es bereits oft erlebt, dass Menschen auf die Frage, wie sie es geschafft haben, erfolgreich zu werden, antworten, einfach Glück gehabt zu haben. Zum richtigen Zeitpunkt, den richtigen Menschen getroffen zu haben. Oder, dass es so etwas wie einen Mentor gab, der sie nach Oben gebracht hat. Der sie auf ihrem Weg unterstützt hat. Niemand gewinnt allein. An diesem Sprichwort dürfte vieles wahr sein. Dies würde auch bedeuten, dass wir unser Leben nicht immer selbst bestimmen. Leben ist nicht immer planbar.

Deine ist nicht meine Wirklichkeit

Als Kommunikationstrainer sage ich immer meinen Seminarteilnehmern, dass Sie sich in bestimmten Situationen ärgern und nicht der andere. Es sind unsere Gefühle und letztlich Emotionen, die in uns wirken. Wir bestimmen unsere Wirklichkeit. Wer dies einmal verinnerlicht hat, stärkt seine Widerstandfähigkeit bzw. Resilienz. Was wahr und nicht wahr ist, geschieht in unserem Kopf. Ist daher auch die Selbstbestimmung eine Illusion? Ob wir unser Leben nun selbst bestimmen oder nicht. Es ist unser Leben. Mein Opa prägte des Satz: Das einzige Muss im Leben ist sterben. Eine wahre Weisheit. Selbstbestimmtheit beginnt daher in uns selbst. Das Glück, die Umstände, die Menschen, die wir noch treffen werden, das von außen auf unsere Selbstbestimmtheit wirkt, können wir nicht entscheiden, jedoch können wir die Augen für solche Chancen offenhalten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*